Februar 21, 2007

GWUP: Zwischen Wissenschaft und Demagogie

Der Redakteur eines großen deutschen Nachrichtenmagazins vertraute mir vor einiger Zeit einmal ganz offen an, dass er in der Berichterstattung der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) „einen leichten Hang zur Demagogie“ wahrnimmt, so dass er „Autoren aus dieser Ecke etwas skeptisch gegenüber steht“. »Demagogie« bedeutet so viel wie »Volksaufwieglung, Volksverführung, politische Hetze«. Fordert GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma in einer Pressemeldung vom 14.02.07 »Medikamente ohne Wirksamkeitsnachweis nicht auf Kosten der Allgemeinheit«, so ist dies auch in meinen Augen »Demagogie pur«.

Warum? Was ist an der Forderung zu kritisieren, die Allgemeinheit nicht mit den Kosten für zweifelhafte Wunderheilmittel, Scharlatane und Kurpfuscher zu belasten? Nun, wer sich ein klein wenig mit Prinzipien der Werbe- und Verkaufspsychologie auskennt, der kann in der aktuellen GWUP-Pressemeldung einige gut versteckte und ganz perfide Kommunikations-Elemente entdecken.

Zu den Grundprinzipien des manipulativen Verkaufsgesprächs gehört es, Menschen zunächst mit Aussagen zu konfrontieren, welche ein »Ja, Sie haben Recht« förmlich erzwingen … um dann im nächsten Atemzug dezent und unauffällig jene Botschaften einfließen zu lassen, welche man verkaufen will. Aggressive Verkäufer nutzen hier u. a. die Form der Sandwich-Argumentation: Sie präsentieren ihren Zuhörern abwechselnd Fragen, welche nur mit »Ja!« beantwortet werden können, um dazwischen ganz subtil und zuweilen hinterhältig ihre suggestiven Verkaufsbotschaften einzufügen. Mit diesem Prinzip kann man leichtgläubigen Menschen Versicherungen verkaufen … oder aber angeblich dem Wohle der Menschheit dienende Ideologien.

Die erwähnte Pressemeldung der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) enthält folgende Elemente, welche aus meiner persönlichen Sicht ganz klar und deutlich demagogischen Charakter haben:

Verschweigen: Die GWUP verschweigt in ihrer Pressemeldung zunächst einmal konsequent jene wissenschaftlichen Arbeiten, welche für die (gemäß Gesundheitsreform) sog. besonderen Therapierichtungen zu einem positiven Ergebnis kommen.

Pauschalisierung: Die GWUP kritisiert die besonderen Therapierichtungen, ohne dabei eine aus wissenschaftlicher Sicht wichtige Differenzierung vorzunehmen. In der Realität gibt es im Falle der besonderen Therapierichtungen drei Gruppen: 1. Therapierichtungen, deren Wirksamkeit sich im Rahmen von strengen wissenschaftlichen Prüfungen erwiesen hat. 2. Therapierichtungen, die einer strengen Prüfung nach wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalten konnten. 3. Therapierichtungen, welche wissenschaftlich bisher nicht oder nicht ausreichend untersucht wurden oder bei denen die vorliegenden wissenschaftlichen Arbeiten auch unter komplementärmedizinischen Forschern wie z. B. im Falle der Homöopathie kontrovers diskutiert werden. Unerwähnt bleiben auch methodische Diskussionen innerhalb der Scientific Community, welche z. B. die Aussagekraft von Wirksamkeitsprüfungen mittels sog. standardisierter randomisierter Doppelblindstudien (RCT) dann in Frage stellen, wenn es um die methodische Abbildung individueller Selbstheilungsprozesse geht.

Diffamierung: Obwohl der Vorstand der Skeptiker-Organisation GWUP darüber informiert sein sollte, dass es diese drei Gruppen gibt, wirft er sie alle in einen Topf. Warum? Um sie in der nächsten Formulierung mit dem diffamierenden Prädikat »pseudowissenschaftliche, esoterisch- okkultistische Lehren« zu bewerten. Für eine sich in der Öffentlichkeit als wissenschaftliche Vereinigung darstellende Organisation ist dies nicht nur ungewöhnlich. Die hier vorgenommene Assoziationskette ist darüber hinaus inhaltlich falsch und vom Charakter her demagogisch.

Desinformation: Die GWUP-Pressemeldung erweckt den irreführenden Eindruck, als wäre das Kriterium »Wirksamkeitsnachweis« geeignet, gute von schlechter, wirksame von nicht wirksamer Medizin zu unterscheiden. Fakt ist jedoch, dass es sehr viele pharmazeutische Präparate gibt, welche über einen Wirksamkeitsnachweis verfügen, jedoch keinen nennenswerten Beitrag zur Heilung von Krankheiten leisten. Sie unterdrücken Krankheitssymptome temporär, bis das Medikament wieder abgesetzt wird. Im Gegenzug gibt es speziell bei chronischen Leiden und Allergien auffallend große Erfolge von Therapieformen, welche über keinen Wirksamkeitsnachweis verfügen.

Zur Vermeidung von Missverständnissen sei darauf hingewiesen, dass es jene »pseudowissenschaftlichen, esoterisch-okkultistischen Lehren« sehr wohl gibt und dass öffentliche Aufklärung diesbezüglich wertvoll ist. Es gibt ausreichend Fallbeispiele für Menschen, welche sich in die Hände von Quacksalbern und selbst ernannten Wunderheilern begeben haben und dies mit einem hohen Preis bezahlen mussten. Demagogischen Charakter hat es jedoch, wenn die organisierten Skeptiker hier den falschen Eindruck erwecken, als gäbe es die oben genannten Gruppen EINS (gemäß wissenschaftlicher Forschung wirksame Therapien) und DREI (nicht erforschte oder aber auch unter Wissenschaftlern kontrovers diskutierte Therapien) nicht und als würde es sich im Falle der gesamten Alternativ- und Komplementärmedizin pauschal um »pseudowissenschaftliche, esoterisch-okkultistischen Lehren« handeln.

Tragikomische Züge bekommt die Medien- und Pressearbeit der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) dann, wenn man die wissenschaftliche Qualifikation ihrer Protagonisten einer kritischen Prüfung unterzieht oder wenn man das Kleingedruckte dieses schillernden Vereins von echten Experten aus der komplementärmedizinischen Forschung untersuchen lässt. Mehr dazu im Themenbereich »Skeptiker« des Online-Magazins psychophysik.com oder in der Analyse »Das Skeptiker-Syndrom« des Heidelberger Soziologen und ehemaligen führenden GWUP-Mitglieds Edgar Wunder.

Wer je Bekanntschaft mit Opfern von Kurpfuschern und selbst ernannten Wunderheilern gemacht hat, der muss den Stil der GWUP-Pressemeldung bedauern. Der Skeptiker-Verein ist schon seit geraumer Zeit sehr erfolgreich darin, seine von der Grundidee her wertvolle Aufklärungsarbeit selbst zu diskreditieren. Journalisten sind daher gut beraten, die einfach gestrickten Botschaften sowie die Schwarz-Weiß-Malerei selbst ernannter Experten aus dem Hause »GWUP« sorgfältig zu hinterfragen. Versäumen sie dies, so kann es ihnen wie Christoph Drösser ergehen. Die Recherchequalität des ehemaligen Chefredakteurs von ZEITWissen ist nun gut sichtbar unter Google zu bewundern.

Mit desinformierenden Pressemeldungen dieser Art diskreditiert die GWUP nicht nur ihr eigenes Anliegen. Der Verein betätigt sich auch aktiv als Stichwortgeber für Menschen, bei denen sich die Frage aufdrängt, ob sie gerade paranoide innere Konflikte oder faschistoide Phantasien ausleben. Auf der Homepage des selbst ernannten Bürgerpolizisten Aribert Deckers wird da neben Gigabyte wirren Unfugs z. B. eine Stallpflicht für Homöopathen gefordert. Der selbst ernannte Scharlatanjäger Ralf Behrmann äußert sich öffentlich mit den Sätzen „Eine lebensgefährliche zynische Sau, der man umgehend die Kinder wegnehmen muss. Eindeutig kriminell. Wer kriegt die Adresse raus?“ und ein Richard Joos aus Bochum beklatscht das ganze Treiben in seinem Weblog mit der Überschrift „Erklärungen nationalsozialistischer Führer.“ Seitens der organisierten Skeptiker gibt es zu diesen (gerne auf die GWUP-Homepage verlinkenden) Stimmen keine öffentliche Distanzierung. Eher das Gegenteil: Als ich im Sommer 2004 die Leipziger Homöopathie-Experimente der Professoren Nieber und Süß per E-Mail mit Prof. Martin Lambeck diskutierte, da kopierte dieser am 27. Juni die Mailadresse info@kidmed.de von Ralf Behrmann als CC: in seine Korrespondenz hinein.

Der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder, ehemals führendes GWUP- Mitglied und heute Geschäftsführer der Gesellschaft für Anomalistik e.V., stellt in seiner Analyse »Das Skeptiker-Syndrom« dazu passend u. a. folgendes Ziel der Skeptiker-Bewegung fest: „Die eigene Gruppe wird nicht als „wissenschaftliche (Forschungs-) Gemeinschaft“ verstanden, sondern als soziale Bewegung, als „verschworene (Gesinnungs-) Gemeinschaft“ mit letztlich politischen Zielen, nämlich der eigenen Vorstellung von „Rationalismus“ in der gesamten Gesellschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Man müsse sich hinsichtlich des Vorgehens und anderer Fragen deshalb auch bei politischen Parteien ein Vorbild nehmen, nicht etwa bei wissenschaftlichen Gesellschaften.“

Nachtrag Juni 2009:

2006 teilte der pensionierte Physiker Prof. Martin Lambeck (Mitglied des GWUP-Wissenschaftsrats) der Öffentlichkeit im Magazin ZEITWissen mit, dass er esoterische Therapieverfahren im Rahmen eines »Harten Tests für sanfte Heiler« wissenschaftlich überprüfen wolle. Als sich (wie zu erwarten) kein Therapeut meldete, um von Lambeck öffentlich vorgeführt zu werden, kontaktierte der Berliner Physiker in seiner Not den Arzt Dr. med. Herbert Koerner (einen Bekannten), um nach seiner etwas vorlauten Ankündigung zumindest einen Artikel publizieren zu können. Der »Heiler-Test« erwies sich in der Praxis als kuriose und pseudowissenschaftliche Zirkusveranstaltung und wurde sowohl für Prof. Martin Lambeck als auch für den ihn medial unterstützenden damaligen Chefredakteur Christoph Drösser zu einem Desaster.

Prof. Martin Lambeck lehnt es bis heute ab, zu den im Rahmen des
»Heiler-Tests« gegen ihn erhobenen Vorwürfen (Nichteinhaltung wissenschaftlicher Mindeststandards, fehlendes Forschungsdesign, fehlende Dokumentation, grobe methodische Fehler etc.) Stellung zu nehmen. Dafür erschien im Mai 2009 jedoch ein anonymer und im sprachlichen Stil Lambecks verfasster Artikel im Internetportal Esowatch, welcher den Eindruck erweckt, hier würde ein fanatischer Missionar nochmals nachtreten:

GWUP.WATCH: Atlasmedizin: Prof. Martin Lambeck als Heckenschütze bei Esowatch?


Information über das Portal Esowatch:

Esowatch.com im Münchhausen-Test: »Akupunktur«

Februar 15, 2007

Stark texten, mehr verkaufen...

Gastbeitrag aus dem Weblog »Text & Kommunikation«:

Oh, wie Recht Sie doch haben. Ein Blog mit fremden Texten zu schmücken, das ist nicht gerade die feine Art. In einem Blog über "Text & Kommunikation" sei dieser Fauxpas jedoch ausnahmsweise erlaubt. Geht es im vorliegenden Fall doch darum, ein Buch über gute Texte von einer guten Texterin - der Journalistin Sylvia Englert - rezensieren zu lassen:



"Schon wieder Werbung! Ab in den Papierkorb, heißt es nur allzu oft. Werbung ist ungeliebte Lektüre, wird höchstens am Rande wahrgenommen, selten aufmerksam gelesen. Deshalb ist sie um so schwieriger zu texten. Denn im Idealfall soll die Botschaft ja nicht nur gelesen werden, sondern eine Reaktion auslösen: Antwort, Bestellung, Kauf. Für all jene, die Texte für die Direktwerbung schreiben wollen, ist Stefan Gottschlings Buch hervorragend geeignet. Knapp und flockig vermittelt er das Praxiswissen, das man zum Texten braucht, und lehrt, wie man es bei der Entwicklung von Instrumenten wie Werbebriefen, Prospekten, Mailings und Antwortkarten einsetzt. Auch aufs Texten für Websites und Online-Shops geht er ein -- kurz zwar, aber sinnvoll.

Ausgangspunkt des Werbetextes ist immer der Kunde. Wie nimmt er einen Text wahr? Wie denkt man sich in ihn hinein? Wie schreibt man leserbezogen und persönlich? In vielen Beispielen erklärt Gottschling, wie es gemacht wird. Im Idealfall sollte der Text ein vorausgedachtes Verkaufsgespräch sein und mögliche Einwände, Fragen und Stimmungen der Zielpersonen einbeziehen. Geschickt beeinflusst und führt ein guter Texter seinen Adressaten über die Sprache. Lesen ist Fernsehen im Kopf -- der Autor führt die Bildregie. Gottschling zeigt, wie das funktioniert.

Viel Platz nehmen in seinem Buch Stil und Sprache ein. Welche Regeln für Wortwahl, Schrift und Satzbau sorgen dafür, dass er Text im Kopf des Lesers ankommt? Viele Schriften sind nicht gut lesbar, Fettdruck und Großbuchstaben machen es dem Adressaten zusätzlich schwer. Kurze Sätze mit lebendigen Verben und emotionsgeladenen Substantiven dagegen machen es ihm leicht.

Viel Zeit nimmt sich der Autor auch dafür, die Kunst der Headline-Formulierung zu erklären. Was sinnvoll ist, denn die Überschrift wird zuerst wahrgenommen. Nur wenn sie Neugier weckt oder sofort einen Nutzen für den Leser herausstellt, hat das Angebot eine Chance. Hat man erstes Interesse geweckt, kann man den Leser (unter Gottschlings Anleitung) mithilfe von Response-Elementen zum Antworten bringt. "Jetzt bestellen!", "Einfach anfordern!" ist die Devise.

Stark texten, mehr verkaufen ist für Einsteiger gedacht, es setzt kein Vorwissen voraus und lehrt alle wichtigen handwerklichen Tricks. Der Garant für einen guten Werbetext ist das natürlich noch nicht, dazu gehört auch Talent und eine Idee. Macht nichts, wenn die Einfälle auf sich warten lassen: Neben Tipps, wie man seinen Text druckreif redigiert und einen ansprechenden Stil findet, hat Gottschling auch Tipps, wie man Schreibblockaden überwindet parat."

Quelle: Buchrezension von Sylvia Englert für die Amazon-Redaktion

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Links zum Thema:

Texter Düsseldorf: B-to-B-Marketing von Claus Fritzsche

Weblog »Text & Kommunikation« B-to-B-Marketing für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)