
Foto: Copyright Wolfgang Bosbach
Einhellige Zustimmung unter deutschen Politikern findet das aktuelle Urteil eines US-Gerichts, wonach das Pentagon die Namen der Guantanamo-Häftlinge veröffentlichen muss. Den stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach, veranlasste dieses Ereignis im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" zu der Aussage: "Das Urteil ist ein Signal an die US-Regierung, dass Guantanamo so auf Dauer nicht bestehen bleiben kann." Er sei sicher, dass die "mutige Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem USA-Besuch zu dieser neuen Bewegung beigetragen hat", äußerte sich Bosbach.
Es scheint zu den parteiübergreifenden Gepflogenheiten des deutschen Politbetriebs zu gehören, öffentliche Äußerungen mitunter nach der Regel "Wirkung" vor "Inhalt" vorzunehmen. Passt eine Botschaft in das aktuelle Stimmungs- und Meinungsklima, so wird sie häufig auch dann verbreitet, wenn sie inhaltlich jeglicher Substanz entbehrt. Keine Frage: Die Guantanamo-Kritik von Angela Merkel während ihres USA-Besuchs lässt sich mit gutem Recht als "mutig" einstufen. Ihr im nächsten Atemzug auch noch Macht und Einfluss über US-Gerichte nachzusagen, das grenzt schon an politischen Sprachmüll. Verbalen Schleim dieser Art hat Merkel überhaupt nicht nötig.
März 05, 2006
Politische Sprachinflation
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