September 18, 2005

Betablocker

Betablocker sind Medikamente , welche die Wirkung des Sympathikus (ein Teil des vegetativen Nervensystems) auf Herz und Kreislauf bremsen können. Metropolol ist ein Wirkstoff, welcher in einem solchen Betablocker enthalten sein kann.

Machten angehende Ärzte ihr Staatsexamen im Jahre 1980, so mussten sie über Metropolol als Kontraindikation wissen: Herzinfarkt und Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Die Gabe von Metropolol im Falle von Herzinfarkt und Herzinsuffizienz wurde als gravierender Fehler gleichbedeutend mit einer schwerwiegenden Schädigung des Patienten eingestuft. Eine fehlerhafte Beantwortung der Frage hätte im Jahre 1980 ausgereicht, um durch das Examen zu fallen.

Ganz anders im Jahre 1990. Metropolol ist heute für die Behandlung von Herzinfarkt und Herzinsuffizienz zugelassen. Frühere wissenschaftliche Studien hatten zu einer Warnung vor dieser Indikation geführt. Spätere wissenschaftliche Studien haben davon abweichend zu einer Akzeptanz dieser Indikation geführt.

Was lernen wir daraus?

Die in der pharmazeutischen Forschung praktizierten Experimentaldesigns kommen zu Ergebnissen, welche ausschließlich unter den exakten Rahmenbedingungen und Voraussetzungen dieser Studien- und Testverfahren zum jeweiligen Zeitpunkt der Versuche gelten. In der Praxis haben wir es beim "Menschen" und beim Prinzip "Leben" jedoch mit einem unvorstellbar komplexen offenen System zu tun. Die erwähnten Studien sind weder in der Lage, diese Komplexität experimentell abzubilden noch berücksichtigen sie die Existenz weiterer, heute noch unerforschter Einflussfaktoren.